Grundlagen

Armtechniken 腕技 (Ude Waza)

Kumade

Hier sehen wir die Technik Kumade 熊手. Hier werden alle Finger und der Daumen soweit es möglich ist herangezogen. Die Trefferfläche ist der Handballen (daher heißt die Technik auch Bärentatze).

In welcher Kata trifft man als erstes auf die Technik Kumade?

In der Kata Jion 慈恩 (Gnade und Güte)

Zuki

Der Zuki ist neben dem Hiki Te ( 引き手 ) eine der am intensivst geübten Techniken im Karate ( 空手 ). Hier sehen wir die reguläre Haltung der Hand bei einem Zuki. Der markierte Bereich nennt sich Seiken ( 正拳 ) und bezeichnet die Stirnseite der Faust. Mit den Knöcheln des Zeige- und Ringfingers wird im Karate am Häufigsten zugeschlagen. Warum?

Die Mittelhandknochen von Zeige- und Ringfinger sind die stabilsten in der Hand und bilden auf gerader Linie die Verlängerung des Unterarmes. Die Knochen von dem Ring- und Kleinenfinger sind wesentlich schwächer! Wenn man mit ihnen auf einen harten Widerstand schlägt, kann man sich verletzen (Boxerfraktur!)

Abwehrtechniken 受け技 (Uke Waza)

Uke

Der Begriff „Uke“ leitet sich von Ukeru (受ける) ab und bedeutet
so viel wie „Aufnehmen“. Anders als beim Boxen, wo die Angriffe durch
Boxhandschuhe geblockt werden (Angriff prallt auf die Handschuhe), wird
die Kraft der Angriffe seitlich vom Verteidiger abgeleitet (aufgenommen)
und somit unschädlich gemacht.

Daher gibt es im Karate (空手) keinen „Block“, wie beim Boxen.

Age Uke als Bsp
Beispiel für eine "Aufnehmende Technik" - Age Uke

Kata

Weiß (9. Kyu) bis 1.DAN (Schwarz)

Taikyoku Shodan
Heian Shodan
Heian Nidan
Heian Sandan
Heian Yondan
Heian Godan
Tekki Shodan
Bassai Dai
Jion
Empi
Kanku-Dai
Hangetsu

Höhere Kata Schwarzgurte

Tekki Nidan
Jitte
Gangaku
Sochin
Nijushiho
Chinte

Zusätzliche Kata für Schwarzgurte

Tekki Sandan
Bassai Sho
Kanku-Sho
Ji’in
Meikyo
Wankan
Unsu
Gojushiho-Sho
Gojushiho-Dai

Traditionelles An- und Abgrüßen

Vor dem Beginn und dem vor dem Ende einer Trainingsstunde wird ein Begrüßungsritual abgehalten. Die Einzelnen Schritte und Bedeutungen findet ihr hier.

① Als erstes stellen sich alle Schüler in einer Reihe nach Gürtelfarben und Größe auf. Der Sensei (先生) steht dabei vor ihnen. Sobald alle ihre Position eingenommen haben, dreht sich der Sensei zu dem aufgehängten Bild von Gichin Funakoshi (Begründer des modernen Karate Do) um.

②  Der älteste Schüler/ die älteste anwesende Schülerin (先輩) gibt das Kommando Seiza (正座). Alle knien sich auf die Unterschenkel ab und legen ihre Hände auf die Oberschenkel ab. Die Knie sind dabei Faustbreit auseinander.

 Der älteste Schüler/ die älteste anwesende Schülerin (先輩) gibt das Kommando Mokusō (黙想). Die Meditationsphase beginnt. Alle schließen nun ihre Augen. Ziel ist es dabei den Alltag auszublenden und sich mental auf das Bevorstehende Training vorzubereiten (Quasi Alltag raus – Karate rein). Beim traditionellen Abgrüßen soll an die neu gewonnenen Erfahrungen gedacht werden (Nachbereitung).

④ Der älteste Schüler/ die älteste anwesende Schülerin (先輩) gibt das Kommando Mokusō Yame (黙想止め). Die Meditationsphase wird beendet, die Augen werden wieder geöffnet.

⑤ Der älteste Schüler/ die älteste anwesende Schülerin (先輩) gibt das Kommando Shomen ni rei (正面に例). Alle verbeugen sich kurz in Richtung des Bildes von Gichon Funakoshi. Die Handflächen werden dabei eine Handbreit vor den Knien abgelegt, die Handhaltung entspricht einem auf dem Kopfstehendem „V“. Anschließend dreht sich der Sensei (先生) kniend zu den Schülern um.

 Der älteste Schüler/ die älteste anwesende Schülerin (先輩) gibt das Kommando Sensei ni rei (先生に例). Auf gleiche Weise wie ④ verbeugen sich der Sensei und Schüler zueinander und sagen dabei OSS! (押忍). Bei dieser Verbeugung werden Zwei stillschweigende Versprechen gegen! Die Schüler dem Sensei, dass sie so gut wie es ihnen möglich ist zu trainieren. Der Sensei verspricht, sie gut zu unterrichten.

⑦ Nun steht der Sensei auf, die Hände an den Oberschenkel und die Füße werden „V-Förmig“ in den Hachi Dachi (八立ち) gebacht -die Hacken sind dabei zusammen. Der älteste Schüler/ die älteste anwesende Schülerin (先輩) gibt das Kommando Kiritsu (起立). Nun stehen auch die Schüler auf, den linken Fuß zuerst -die Hände werden nicht auf den Knien abgestützt.

⑧ Nun grüßen sich Sensei und Schüler sich ein weiteres Mal mit dem Wort OSS! an.

Die Vokabelerklärungen findet ihr hier

Grundsatz der Kata

„Die Kata darf nicht verändert werden, im Kampf jedoch gilt das Gegenteil.“
 

Durch das beständige Üben der Kata bringt man dem eigenen Körper Bewegungsabläufe bei. Wenn man Bewegungsabläufe sehr häufig wiederholt, dann kann man sie ohne Nachdenken abrufen (es ist quasi wie Fahrradfahren). Bewegungen, die ohne aktives Nachdenken abgerufen werden können, bezieht man aus dem sog. Muskelgedächtnis. Um dieses Gedächtnis zu schulen, darf eine Kata nicht verändert werden, da die Bewegungsabläufe bewährte Verteidigungsmöglichkeiten zeigen. Eine Kata ist unser „Werkzeugkasten“.

… im Kampf jedoch gilt das Gegenteil.“

Ein Kampf ist naturgemäß wesentlich „chaotischer“ als ein geordneter Kata Ablauf. Man benötigt, um sich effektiv im Freikampf oder in der Selbstverteidigung behaupten zu können, eine Auswahl von bewährten Techniken. Diese Auswahl bekommen wir durch unseren „Werkzeugkasten“.

Sicherlich tut unser Trainingspartner oder Wettkampfgegner uns nicht den Gefallen und verfällt in ein statisches Muster (Angriff-Konter-Angriff-Konter-Angriff, usw.). Im direkten (Freikampf) Schlagabtausch erfolgen Bewegungen aus den bereits erlernten Bewegungsabläufen aus dem Training. Um darauf angemessen reagieren zu können, müssen wir aus unseren erlernten Technikabläufen „improvisieren“. Eine Kata passt niemals 1:1 in einen „echten“ Kampf -das muss sie auch nicht.  Die einfachste Art zu improvisieren ist es eine Abwehr statt mit dem Linken, sondern mit dem rechten Arm auszuführen (wir denken an die Kata Heian Shodan und die erste Abwehr Gedan Barai).

Je weiter man in der Kampfkunst Karate voranschreitet, bemerkt man immer wieder, wie schnell man aus bereits gelernten Abläufen, neue Anwendungsmöglichkeiten finden kann.

Rückblick auf die Herbstferien 2019

ln den letzten Herbstferien habt ihr mit mir eine Zeitreise zu den Anfängen des Karate Do miterleben können. Ihr wurdet von mir in Zweiergruppen eingeteilt. Anschließend habt ihr von mir die Aufgabe bekommen euch einen Angriff mit der Faust auszusuchen und eine entsprechende Verteidigung dagegen. Zielsetzung war es den angreifenden Trainingspartner handlungsunfähig zu machen (z.B. durch zu Boden bringen und fixieren). Nachdem ihr die Rollen des Angreifers /Verteidigers gewechselt hattet, habt ihr anschließend der restlichen Gruppe eure Ergebnisse vorgezeigt und erklärt.

Darauf folgendend solltet ihr den Abwehrenden Teil eurer Bewegung allein ohne einen Trainingspartner nachvollziehen -ihr habt schnell gemerkt, dass man die Bewegungen dabei teilweise verkürzt.

Die Partner wurden gewechselt.

Eurem neuen Trainingspartner habt ihr dann eure Anwendung gezeigt und habt von mir eine neue Aufgabe (z.B. Abwehr gegen einen Tritt) bekommen. Der Ablauf oben wurde dann wiederholt. Zusätzlich solltet ihr den bereits gelernten Solo-Ablauf mit dem Neuen kombinieren.

Ohne es zu wissen haben einige von euch bereits fast mustergültige Anwendungen von noch nicht gelernten Kata gezeigt. Woran lag das? Das Muskelgedächtnis hat bereits gelernte Karate-Bewegungen abgespielt und ihr habt sie anschließend an die neue Situation angepasst.

Durch diese Übung habt ihr euch in nur wenigen Stunden eine eigene und praxiserprobte Kata zusammengestellt. Technikfolgen, die nicht funktioniert haben, habt ihr weggelassen. Auf diese Weise sind die 27 Shotokan Kata entstanden! Technikfolgen, die sich bewährt haben, wurden in Solo-Abläufe umgesetzt, damit man sie nicht mehr vergessen und an andere weitergeben kann. Daher gilt der Grundsatz:

„Die Kata darf nicht verändert werden, im Kampf jedoch gilt das Gegenteil.“

Danke, dass du bis hierhin gelesen hast! Kommen wir nun endlich zu deiner Aufgabe.

Mache dir selbst Gedanken zu dem Thema „Improvisierung anhand einer Kata“. Wir fangen dafür mit der Kata Heian Shodan an. Laufe diese Kata im gewohnten Ablauf, allerdings mache nach jedem Gedan Barai einen Mae Geri und setze den Fuß hinten ab (als Steigerung Mae-Geri hinten absetzen und Gyaku Zuki). Mit einem Fußtritt kann man einen Trainingspartner dazu bringen den Abstand zu dir zu vergrößern, sodass du mehr Handlungsfreiraum für Folgetechniken hast.

Als finale Steigerung: Nach jedem Gedan Barai -> Mae Geri hinten absetzen, Gyaku Zuki, Age Uke.

Beispiel
Die Kata fängt an. Links Zenkutsu Dachi mit Links Gedan Barai, rechter Arm Gyaku Zuki, linker Arm Age Uke. Einen Schritt vorwärts mit Rechts Oizuki. Usw.

Wenn du diese abgewandelte Kata (die nun nicht mehr Heian Shodan ist), einige Male geübt hast, machen wir weiter.

Ab jetzt wird dein Kopf kleine Wölkchen auspusten. Wenn man einmal einen Bewegungsablauf fest im Kopf hat, dann fällt es einem schwerer einen Ablauf zu verändern. Laufe die Kata Heian Shodan ohne Technikanpassungen spiegelverkehrt. Das bedeutet:

Anstatt mit dem linken Bein im Zenkutsu Dachi mit dem linken Arm Gedan Barai zu machen, fängst du mit dem rechten Bein und rechten Arm an. Du wirst feststellen, dass sich das ganze „falsch“ anfühlen wird. Nimm es als eine Herausforderung von mir an. Es ist immer gut, wenn man sich mit der Materie „Kata“ auseinander setzt.

Oss!

Patrick

 

Zurückziehen der Hand 引き手 (Hikite)

Hikite

Das Zurückziehen der Hand wird in fast allen Karatetechniken geübt. Bei jeder Armtechnik 腕技 (Ude Waza) wird eine Gegenbewegung zum aktiv handelnden Arm ausgeführt. Hier am Beispiel von Age Uke. Mit dem Zurückziehen der Hand wird die Fähigkeit trainiert einen angreifenden Arm, einen Anzug, oder etwas Ähnliches zu greifen, um die Konterdistanz zu verkürzen. (Ein passendes Übungsvideo findest du auf unserem Youtube Kanal).

Age Uke als Bsp
Beispiel für eine "Aufnehmende Technik" - Age Uke